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Friedrich Hölderlin


Hölderlin war Bewunderer der Französischen Revolution von 1789. Die vielkolportierte Anekdote, er habe in seiner Jugend am Tübinger Seminar zusammen mit Hegel, Schelling und anderen Mitgliedern eines »republikanischen Vereins« einen »Baum der Freiheit« errichtet, ist allerdings eine hartnäckige Legende, die 1965 von Dieter Henrich widerlegt wurde. Er war zunächst von Napoleon eingenommen, den er in einem seiner Gedichtentwürfe huldigte (zeitgleich mit Ludwig van Beethoven, der die Eroica ursprünglich dem korsischen General widmete).

Hölderlins Verständnis der altgriechischen Kultur, wie es sich aus seinen Anmerkungen zu den späten Übersetzungen des Sophokles erschließen lässt, unterscheidet sich in signifikanter Weise von dem idealistischen Griechenlandbild seiner Zeitgenossen. Erst im 20. Jahrhundert wurde verstanden, dass Hölderlin es war, der zuerst die unklassischen Züge der griechischen Kultur erkannt hat. Für Hölderlin waren die griechischen Götter keine Götterplastiken im ästhetisierenden Verständnis des Klassizismus, sondern lebendig und real anwesend, auf wunderbare Weise Leben schaffend und schrecklich zugleich. Bereits in seinem frühen Roman neigte Hölderlin der griechischen Idee des tragischen Schicksals zu, das er in der letzten Strophe von Hyperions Schicksalslied ausdrückte.

Die großen Gedichte aus Hölderlins reifer Phase waren im Allgemeinen ausgedehnt und z. T. in freien Rhythmen. Zusammen mit diesen langen Hymnen, Oden und Elegien – darunter Der Archipelagus, Brot und Wein und Patmos –, pflegte er auch kürzere Formen in den Epigrammen, in den Versen und in den kurzen Gedichten wie dem berühmten Hälfte des Lebens. Aus den Jahren im Tübinger Turm sind einige gereimte Gedichte überliefert, wie z. B. Der Sommer: Hölderlin unterzeichnete es mit »in Untertänigkeit Scardanelli« und versah es mit dem Datum 9. März 1840.