| Die tägliche Bitte um Beistand |
Kölner Stadt-Anzeiger - Frank Weiffen |
York Höller ist ein begnadeter Komponist. Aber auch er, der Leverkusener von Weltruf, wäre nichts ohne den "Creator Spiritus",
 |
| Begutachtet, zugehört und für gut befunden:
Der Leverkusener Komponist York Höller (links) gab im Schloss eine Werkseinführung in sein zweites Steichquartett,
das später von den Musikern des "Hölderlin-Quartetts" gespielt wurde. |
den "Schöpfergeist". "Wir Künstler hoffen, dass er uns täglich inspiriert", sagt Höller. Er selber bitte ihn jeden Morgen um Beistand,
erzählt er - und das Publikum im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich ist hingerissen. Nicht nur, weil an diesem Vormittag die
Musiker des "Hölderlin-Quartetts" mit dem 2. Streichquartett eine Höller-Komposition spielen und der 63-Jährige für eine
Werkeinführung höchstpersönlich zugegen ist. Sondern auch, weil Höller mit seinem Schöpfergeist-Verweis einen Teil seines
Seelenlebens offenbart. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Komponist derlei Intimität zulässt. Noch ehe das Konzert beginnt,
ist dieser Tag ein besonderer.
Höller legte seinem Streichquartett - das im Schloss erst zum zweiten Mal seit 1998 öffentlich aufgeführt wird - einen alten Hymnus
des Bischofs von Canterbury zugrunde. Dessen ursprüngliches Thema ist in vier Teilen abgeändert - und verlangt den Musikern alles ab.
Indes: Rebecca Martin, Christian Friedrich, Andres Mehne und Teemu Myöhänen sind so gut, dass sie Höllers Komposition zu einem
Ereignis werden lassen. Gerade das "Pizzicato" (das Zupfen der Saiten), die schroffen Wechsel zwischen ruhigen und schnellen
Passagen sowie der chromatische, auf "unmelodisch" klingenden Halbtönen basierende Aufbau des Werkes lassen diese Musik zwar
für manches Ohr ungewohnt klingen. Aber gerade dadurch auch brechen sich Mystik und Dramatik Bahn. Nach der Darbietung ist
das Quartett erschöpft - und blickt bang auf den Meister. Wird er Zustimmung schenken? Ja! Höller erhebt sich, applaudiert und zeigt
stolz auf die vier Menschen, die seine Komposition soeben mit Leben füllten. Es ist ein Ritterschlag für die jungen Musiker,
die sich nach der Pause nicht minder überzeugend Beethovens wundervollem Streichquartett in e-Moll widmen. Aber das ist streng genommen
nur noch eine Zugabe: An diesem Vormittag im von Sonnenlicht durchfluteten Schloss muss der große Beethoven York Höller den Vortritt lassen.
|